Das Wichtigste auf den Punkt gebracht
- Eine Wärmepumpe verursacht 64 Prozent weniger CO₂ als eine Gasheizung.
- Das gilt mit dem normalen deutschen Strom, nicht erst mit Ökostrom.
- Der Vorteil wächst weiter, weil der Strom jedes Jahr sauberer wird. Eine Gasheizung bleibt, wie sie ist.
Eine Wärmepumpe verbrennt nichts, verbraucht aber Strom. Wie klimafreundlich sie ist, hängt deshalb am Strommix. Das Fraunhofer ISE beziffert die Einsparung gegenüber einem Gasbrennwertkessel auf 64 Prozent, gerechnet mit dynamischer, quartalsweiser Emissionsbilanzierung für das Jahr 2024.
Der Vorsprung wächst, weil der Strommix sauberer wird
Die frühere Feldmessung des Fraunhofer ISE aus dem Jahr 2020 kam auf 27 bis 61 Prozent weniger CO₂ gegenüber einem Gasbrennwertkessel. Der aktuelle Wert liegt bei 64 Prozent.
Zwei Entwicklungen erklären den Abstand:
| Ursache | Wirkung |
|---|---|
| Der Strommix wurde emissionsärmer | Jede Kilowattstunde Strom trägt weniger CO₂ |
| Die Jahresarbeitszahl stieg von 3,1 auf 3,4 | Für dieselbe Wärme wird weniger Strom gebraucht |
Beide Effekte wirken in dieselbe Richtung, und beide setzen sich fort. Das unterscheidet die Wärmepumpe grundsätzlich von einem Gaskessel: Dessen Emissionen sind über die gesamte Lebensdauer festgelegt, weil Erdgas beim Verbrennen immer dieselbe Menge CO₂ freisetzt.
Dynamisch bilanziert heißt quartalsweise, nicht im Jahresmittel
Der Wert von 64 Prozent beruht auf einer quartalsweisen Betrachtung, nicht auf einem Jahresdurchschnitt des Strommixes. Das ist die strengere Methode: Sie berücksichtigt, dass Wärmepumpen vor allem im Winter laufen, wenn der Strommix wegen weniger Solarstrom im Schnitt schlechter ist als im Sommer.
Ein Vergleich, der mit dem Jahresmittel rechnet, fällt für die Wärmepumpe günstiger aus. Die 64 Prozent sind also nicht die schmeichelhafteste Zahl, sondern die belastbarere.
Die CO₂-Frage kommt bei uns fast nie zuerst. Sie kommt meistens dann, wenn die Kostenrechnung schon steht, und dann stellt sich heraus, dass es dieselbe Frage war. Der CO₂-Preis hängt unmittelbar an der Emission und er steigt, also wird jede Kilowattstunde Gas teurer, ganz unabhängig vom Marktpreis. Bei einer Gasheizung steht die Bilanz am Tag der Inbetriebnahme fest und bleibt zwanzig Jahre lang, wie sie ist. Bei einer Wärmepumpe wird sie jedes Jahr ein Stück besser, ohne dass im Haus irgendjemand etwas tun muss. Das ist für mich der eigentlich bemerkenswerte Teil.
Alexander MüllerArchitekt und Mitgründer von Enter, der neutralen Plattform für Wärmepumpe, Photovoltaik & EnergiemanagementDie Bilanz hängt an der Jahresarbeitszahl
Die Emissionen einer Wärmepumpe ergeben sich aus dem Stromverbrauch, und der hängt an der Jahresarbeitszahl. Für ein Haus mit 15.000 Kilowattstunden Wärmebedarf:
| Jahresarbeitszahl | Stromverbrauch |
|---|---|
| 2,6 | 5.769 kWh |
| 3,4 | 4.412 kWh |
| 4,3 | 3.488 kWh |
Zwischen der schwächsten und der besten im Feld gemessenen Anlage liegen rund 2.300 Kilowattstunden im Jahr, und damit auch der entsprechende Anteil an Emissionen. Wie sich die Jahresarbeitszahl beeinflussen lässt, steht im Beitrag zur Jahresarbeitszahl.
Häufige Fragen
Wie viel CO₂ spart eine Wärmepumpe gegenüber Gas? Nach der Messung des Fraunhofer ISE 64 Prozent, bezogen auf das Jahr 2024 und dynamisch bilanziert.
Ist eine Wärmepumpe mit dem deutschen Strommix wirklich sauberer? Ja. Die 64 Prozent beziehen sich auf den realen Strommix, nicht auf Ökostrom.
Warum war der Wert früher niedriger? Die Messung von 2020 kam auf 27 bis 61 Prozent. Seither ist der Strommix emissionsärmer geworden und die gemessene Jahresarbeitszahl von 3,1 auf 3,4 gestiegen.
Wird die Wärmepumpe mit der Zeit sauberer? Im Betrieb ja, weil sie am Strommix hängt. Ein Gaskessel bleibt über seine gesamte Lebensdauer bei denselben Emissionen je Kilowattstunde Wärme.
Was ist mit dem Kältemittel? Es zählt nur, wenn es entweicht. Geräte mit dem natürlichen Kältemittel R290 haben eine deutlich geringere Treibhauswirkung als solche mit synthetischen Kältemitteln.
Bringt eigener Solarstrom zusätzlich etwas? Ja, allerdings zeitversetzt: Der Heizbedarf fällt im Winter an, die Erträge im Sommer. Ohne Speicher deckt Photovoltaik nur einen Teil des Wärmepumpenstroms.



