Das Wichtigste auf den Punkt gebracht
- Die Jahresarbeitszahl sagt, wie viel Wärme eine Wärmepumpe aus einer Kilowattstunde Strom macht.
- Gemessen in 77 echten Häusern: Luftwärmepumpen schaffen im Schnitt 3,4, Erdwärmepumpen 4,3.
- Der Unterschied zwischen guter und schlechter Anlage ist groß. Entscheidend ist der Einbau, nicht das Fabrikat.
Die Jahresarbeitszahl ist die eine Zahl, an der sich entscheidet, ob eine Wärmepumpe günstig heizt. In einer vierjährigen Feldmessung des Fraunhofer ISE erreichten 61 Luftwärmepumpen in Bestandsgebäuden im Mittel eine Jahresarbeitszahl von 3,4, 16 Erdwärmepumpen kamen auf 4,3. Die Werte stammen aus Häusern der Baujahre 1826 bis 2001.
JAZ 3,4 heißt: eine Kilowattstunde Strom, 3,4 Kilowattstunden Wärme
Die Jahresarbeitszahl, abgekürzt JAZ, setzt die über ein Jahr abgegebene Wärme ins Verhältnis zum dafür aufgewendeten Strom. Eine JAZ von 3,4 bedeutet: Aus einer Kilowattstunde Strom werden 3,4 Kilowattstunden Wärme.
Davon zu unterscheiden ist der COP, der Coefficient of Performance. Der COP ist ein Laborwert, gemessen bei genau festgelegten Temperaturen, etwa 7 Grad Außenluft und 35 Grad Vorlauf. Er beschreibt einen Moment unter Idealbedingungen.
| Kennzahl | Was sie beschreibt | Wo sie herkommt |
|---|---|---|
| COP | Wirkungsgrad in einem Betriebspunkt | Prüfstand, genormte Bedingungen |
| JAZ | Wirkungsgrad über ein ganzes Jahr | Messung in der realen Anlage |
| SCOP | rechnerischer Jahreswert | Norm-Berechnung, nicht gemessen |
Für die Heizkostenrechnung zählt die JAZ. Ein Datenblatt-COP von 5,0 sagt wenig darüber, was die Anlage im Januar bei minus fünf Grad und 45 Grad Vorlauf tatsächlich leistet.
77 Anlagen im Feld: 3,4 bei Luft, 4,3 bei Erdreich
Das Fraunhofer ISE hat im Projekt „WP-QS im Bestand" über vier Jahre 77 Anlagen vermessen und die Ergebnisse am 3. November 2025 veröffentlicht.
| Bauart | Anlagen | Mittelwert | Spanne |
|---|---|---|---|
| Luft/Wasser | 61 | 3,4 | 2,6 bis 4,9 |
| Sole/Wasser (Erdreich) | 16 | 4,3 | 3,6 bis 5,4 |
Bemerkenswert ist weniger der Mittelwert als die Spanne. Bei den Luftwärmepumpen liegt die beste Anlage mit 4,9 fast doppelt so hoch wie die schwächste mit 2,6. Beide Anlagen stehen in Bestandsgebäuden, beide wurden über denselben Zeitraum gemessen. Der Unterschied liegt nicht am Gerät, sondern an Auslegung, Einstellung und Gebäude.
Die Häuser waren Baujahr 1826 bis 2001
Die vermessenen Gebäude sind keine Musterhäuser:
- Baujahre von 1826 bis 2001
- Beheizte Fläche 90 bis 370 Quadratmeter, im Mittel 170
- 51 Prozent hatten eine nachträgliche Fassadendämmung
Das Fraunhofer ISE hält außerdem fest, dass ausreichend dimensionierte Heizkörper mit ähnlich niedrigen Temperaturen betrieben werden können wie eine Fußbodenheizung. Die verbreitete Annahme, eine Wärmepumpe brauche zwingend eine Flächenheizung, deckt sich damit nicht.
Gegenüber 2020 ist der Mittelwert von 3,1 auf 3,4 gestiegen
Das Fraunhofer ISE hatte 2020 schon einmal gemessen, im Projekt „WPsmart im Bestand" mit Daten aus dem Messjahr 2018/19. Damals kamen 29 Luftwärmepumpen auf einen Mittelwert von 3,1, zwölf Erdwärmepumpen auf 4,1.
Von 3,1 auf 3,4 sind rund zehn Prozent weniger Strom für dieselbe Wärme. Wer Erfahrungswerte aus der Zeit vor 2020 heranzieht, rechnet also mit einer Anlagengeneration, die es so nicht mehr gibt.
Vorlauftemperatur zuerst, dann Heizkurve und Abgleich
Die vier Hebel, in der Reihenfolge ihrer Wirkung:
Die Vorlauftemperatur. Jedes Grad weniger Vorlauf verbessert die Effizienz spürbar, weil die Wärmepumpe eine kleinere Temperaturdifferenz überbrücken muss. Das ist der Grund, warum größere Heizkörper die JAZ stärker heben als ein teureres Gerät.
Die Heizkurve. Sie steuert, wie stark der Vorlauf bei fallender Außentemperatur angehoben wird. Eine zu steil eingestellte Heizkurve kostet über das Jahr dauerhaft Effizienz, ohne dass es im Haus auffällt.
Der hydraulische Abgleich. Ohne ihn bekommen einzelne Räume zu viel und andere zu wenig Wärme. Ausgeglichen wird das meist über eine höhere Vorlauftemperatur, was die JAZ der gesamten Anlage senkt.
Die Warmwasserbereitung. Warmwasser braucht höhere Temperaturen als Heizwärme. Je größer sein Anteil, desto stärker zieht er den Jahreswert nach unten.
In fast jedem Angebot steht eine Jahresarbeitszahl, und fast nie steht dabei, wie sie zustande gekommen ist. Ich frage dann nach drei Sachen: berechnete Heizlast, angesetzte Vorlauftemperatur, Warmwasser enthalten ja oder nein. Die gemessene Spanne von 2,6 bis 4,9 kommt nämlich kaum von den Fabrikaten. Sie kommt von der Auslegung und von der Einstellung. Wer diese drei Angaben nicht bekommt, vergleicht zwei Zahlen, die gar nicht dasselbe beschreiben.
Alexander MüllerArchitekt und Mitgründer von Enter, der neutralen Plattform für Wärmepumpe, Photovoltaik & EnergiemanagementZwischen 2,6 und 4,9 liegen 1.700 Kilowattstunden im Jahr
Der Stromverbrauch ergibt sich aus dem Wärmebedarf geteilt durch die JAZ. Für ein Haus mit 15.000 Kilowattstunden Wärmebedarf im Jahr:
| Jahresarbeitszahl | Stromverbrauch |
|---|---|
| 2,6 | 5.769 kWh |
| 3,0 | 5.000 kWh |
| 3,4 | 4.412 kWh |
| 4,0 | 3.750 kWh |
| 4,3 | 3.488 kWh |
Zwischen der schwächsten und der besten gemessenen Luftwärmepumpe liegen in diesem Beispiel rund 1.700 Kilowattstunden im Jahr. Wie viel das in Euro ist, steht in unserem Beitrag zum Stromverbrauch der Wärmepumpe.
Häufige Fragen
Was ist eine gute Jahresarbeitszahl? Im Bestand gilt ein Wert ab 3,0 als solide, ab 4,0 als sehr gut. Der gemessene Mittelwert für Luftwärmepumpen liegt bei 3,4, für Erdwärmepumpen bei 4,3.
Was ist der Unterschied zwischen COP und JAZ? Der COP ist ein Laborwert für einen einzelnen Betriebspunkt. Die JAZ ist der über ein ganzes Jahr gemessene Wirkungsgrad der eingebauten Anlage.
Welche Jahresarbeitszahl erreicht eine Wärmepumpe im Altbau? Die Feldmessung des Fraunhofer ISE fand in Häusern der Baujahre 1826 bis 2001 statt und ergab für Luftwärmepumpen im Mittel 3,4. Altbau schließt gute Werte nicht aus.
Braucht eine Wärmepumpe eine Fußbodenheizung? Nein. Laut Fraunhofer ISE lassen sich ausreichend dimensionierte Heizkörper mit ähnlich niedrigen Temperaturen betreiben wie eine Fußbodenheizung.
Wie viel Strom spart eine höhere Jahresarbeitszahl? Bei 15.000 Kilowattstunden Wärmebedarf verbraucht eine Anlage mit JAZ 4,0 rund 3.750 Kilowattstunden, eine mit JAZ 2,6 rund 5.769. Der Unterschied beträgt etwa 2.000 Kilowattstunden im Jahr.
Sinkt die Jahresarbeitszahl im Winter? Ja. Bei niedriger Außentemperatur und höherem Vorlauf arbeitet die Wärmepumpe weniger effizient. Die JAZ ist der Jahresmittelwert und enthält diese Phasen bereits.
Wie wirkt sich Warmwasser aus? Warmwasser erfordert höhere Temperaturen als Heizwärme und senkt den Jahreswert, je größer sein Anteil am Gesamtverbrauch ist.



