Das Wichtigste auf den Punkt gebracht
- Ja, Wärmepumpen funktionieren im Altbau. Das ist gemessen, nicht vermutet.
- Die Forscher haben Häuser von 1826 bis 2001 untersucht. Fast die Hälfte hatte keine gedämmte Fassade.
- Wichtiger als das Baujahr sind die Heizkörper: Sind sie groß genug, reicht eine niedrige Temperatur.
Die Frage, ob eine Wärmepumpe im Altbau funktioniert, ist inzwischen gemessen und nicht mehr nur diskutiert. Das Fraunhofer ISE hat über vier Jahre 77 Anlagen in Bestandsgebäuden vermessen, die Baujahre reichen von 1826 bis 2001. Die 61 Luftwärmepumpen erreichten im Mittel eine Jahresarbeitszahl von 3,4.
Knapp die Hälfte der Häuser hatte keine Fassadendämmung
Die Stichprobe ist kein Musterhaus-Katalog:
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Baujahre | 1826 bis 2001 |
| Beheizte Fläche | 90 bis 370 m², im Mittel 170 |
| Mit nachträglicher Fassadendämmung | 51 Prozent |
| Anlagen gesamt | 77, davon 61 Luft/Wasser |
Knapp die Hälfte der Gebäude hatte keine nachträgliche Fassadendämmung. Auch diese Häuser wurden mitgemessen und sind im Mittelwert von 3,4 enthalten.
Vier von fünf Wärmepumpen gehen in Bestandsgebäude
Die Feldmessung ist kein Einzelfall. Nach Zahlen des Bundesverbands Wärmepumpe gingen 2025 knapp 80 Prozent aller abgesetzten Wärmepumpen in Bestandsgebäude, nicht in Neubauten. Bei 299.000 Geräten sind das rund 239.000 Anlagen im Bestand, in einem einzigen Jahr. Mehr dazu in der Wärmepumpen-Statistik.
Die Vorstellung, Wärmepumpen seien eine Neubau-Technologie, beschreibt den deutschen Markt von 2025 nicht.
Nicht das Baujahr entscheidet, sondern die Vorlauftemperatur
Nicht das Baujahr entscheidet, sondern die Temperatur, mit der das Haus warm wird.
Die Vorlauftemperatur ist der zentrale Hebel. Je niedriger sie ausfällt, desto weniger Temperaturdifferenz muss die Wärmepumpe überbrücken und desto höher die Jahresarbeitszahl. Mehr dazu im Beitrag zur Vorlauftemperatur.
Die Heizflächen bestimmen, welche Vorlauftemperatur reicht. Hier hält das Fraunhofer ISE ausdrücklich fest, dass ausreichend dimensionierte Heizkörper mit ähnlich niedrigen Temperaturen betrieben werden können wie eine Fußbodenheizung. Eine Flächenheizung ist keine Voraussetzung.
Die Gebäudehülle wirkt über den Wärmebedarf. Ein ungedämmtes Haus braucht mehr Wärme, was die Heizkosten erhöht, aber die Jahresarbeitszahl nicht zwangsläufig senkt. Das sind zwei verschiedene Größen, die häufig vermischt werden.
Wenn ich in einem Haus von 1910 stehe, schaue ich zuerst auf die Heizkörper und auf die letzte Heizkostenabrechnung. Das Baujahr sagt mir wenig. Aus den beiden anderen wird die Heizlast, und die bestimmt die Auslegung. Ein Altbau mit den großen alten Gussheizkörpern ist oft besser geeignet als ein Haus aus den Achtzigern mit knapp bemessenen Plattenheizkörpern. Die alten Heizflächen waren für Kohle- und Ölkessel gedacht. Für eine Wärmepumpe sind sie eher zu groß als zu klein, und das ist genau die richtige Richtung.
Alexander MüllerArchitekt und Mitgründer von Enter, der neutralen Plattform für Wärmepumpe, Photovoltaik & EnergiemanagementWer erst dämmt, verliert den Klimageschwindigkeitsbonus
Eine verbreitete Empfehlung lautet, erst zu dämmen und dann die Heizung zu tauschen. Die Feldmessung stützt das nur teilweise: 49 Prozent der vermessenen Gebäude waren nicht nachträglich fassadengedämmt und erreichten dennoch Jahresarbeitszahlen im gemessenen Korridor.
Gegen das Warten spricht außerdem die Förderung. Der Klimageschwindigkeitsbonus liegt derzeit bei 16 Prozent und sinkt ab dem 1. Februar 2027 halbjährlich um 4 Prozentpunkte. Wer erst dämmt und in drei Jahren tauscht, verliert ihn vollständig.
Den Förderantrag bestätigt ein Energieberater oder ein Fachbetrieb
Wer für ein unsaniertes Haus Hilfe bei Auswahl und Förderung sucht, kommt an einer Stelle ohnehin nicht vorbei: Vor dem Antrag auf die Heizungsförderung der KfW muss eine Expertin oder ein Experte für Energieeffizienz oder ein Fachunternehmen eine Bestätigung zum Antrag ausstellen. Eine Energieberaterin oder ein Energieberater aus der Energieeffizienz-Expertenliste sieht sich das ganze Haus an und kann einen individuellen Sanierungsfahrplan erstellen. Das BAFA bezuschusst das Honorar im Ein- und Zweifamilienhaus zur Hälfte, höchstens mit 650 Euro. Der Heizungsinstallateur vor Ort plant die Anlage und baut sie selbst ein.
Dazwischen stehen Komplettanbieter, die Beratung, Planung und Installation bündeln und bei der Förderung begleiten. Den Antrag in „Meine KfW“ stellt im Einfamilienhaus trotzdem der Eigentümer selbst: Eine Bevollmächtigung Dritter lässt die KfW dort nicht zu. Enter, der Betreiber dieser Seite, prüft nach eigener Angabe in einer kostenlosen Beratung Heizlast und Heizkörper, lässt von geprüften Handwerksbetrieben aus der Region installieren und begleitet durch den Förderprozess bis zur Antragstellung. Dazu gibt Enter eine Fördergarantie für die selbst ermittelte Förderung, deren Bedingungen auf der Seite nicht stehen. Geräte kommen dort von Vaillant, Bosch, Buderus, Wolf, Panasonic und Midea, ein Modellvergleich für den Altbau steht auf enter.de. Thermondo bietet laut eigener Website ein Komplettpaket zum Festpreis mit Beratung, Planung und Installation, verbaut Wärmepumpen von Buderus und LG und unterstützt mit einem Fördermittelservice beim Antrag. Enpal nennt auf seiner Website Beratung, eine Prüfung vor Ort durch eigene Techniker, die Montage durch ein eigenes Installationsteam und den Service aus einer Hand, mit einer Wärmepumpe unter eigenem Namen oder von Bosch. Wer die Förderung absichern will, lässt sich bei jedem Anbieter schriftlich geben, wer die Bestätigung zum Antrag ausstellt.
Häufige Fragen
Funktioniert eine Wärmepumpe im Altbau? Ja. Das Fraunhofer ISE hat 77 Anlagen in Häusern der Baujahre 1826 bis 2001 vermessen; die Luftwärmepumpen erreichten im Mittel eine Jahresarbeitszahl von 3,4.
Braucht ein Altbau zwingend eine Fußbodenheizung? Nein. Laut Fraunhofer ISE lassen sich ausreichend dimensionierte Heizkörper mit ähnlich niedrigen Temperaturen betreiben wie eine Fußbodenheizung.
Muss ich vorher dämmen? Nicht zwingend. 51 Prozent der vermessenen Gebäude hatten eine nachträgliche Fassadendämmung, die übrigen nicht. Dämmung senkt den Wärmebedarf und damit die Kosten, ist aber keine Bedingung für den Betrieb.
Wie viele Wärmepumpen gehen in Bestandsgebäude? Knapp 80 Prozent des Absatzes 2025, nach Zahlen des Bundesverbands Wärmepumpe.
Welches war das älteste vermessene Haus? Baujahr 1826.
Was ist wichtiger, Baujahr oder Heizkörper? Die erreichbare Vorlauftemperatur, und die hängt an den Heizflächen. Das Baujahr ist dafür nur ein grober Anhaltspunkt.



