Das Wichtigste auf den Punkt gebracht
- Erdwärme arbeitet sparsamer, weil der Boden im Winter wärmer ist als die Luft.
- Trotzdem wählen 95 von 100 Käufern die Luftwärmepumpe: Erdwärme braucht eine Bohrung, eine Genehmigung und mehr Geld.
- Für ein normales Haus sind das etwa 340 Euro Stromkosten Unterschied im Jahr.
Zwischen den beiden Bauarten liegt ein messbarer Effizienzunterschied. Im Feldtest des Fraunhofer ISE erreichten Erdwärmepumpen im Mittel eine Jahresarbeitszahl von 4,3, Luftwärmepumpen 3,4. Trotzdem waren 2025 nach Zahlen des Bundesverbands Wärmepumpe 95 Prozent der verkauften Geräte Luft/Wasser-Wärmepumpen, nur 5 Prozent nutzten das Erdreich.
Diese Lücke zwischen Messwert und Marktentscheidung ist der eigentliche Gegenstand dieses Beitrags.
Außenluft oder Erdreich als Wärmequelle
Die Luft/Wasser-Wärmepumpe entzieht der Außenluft Wärme. Sie steht als Außeneinheit neben dem Haus oder an der Wand, braucht keine Genehmigung und keinen Eingriff ins Erdreich. Ihr Nachteil folgt aus der Physik: Wenn es draußen am kältesten ist, ist die Wärmequelle am schlechtesten und der Heizbedarf am größten.
Die Sole/Wasser-Wärmepumpe nutzt das Erdreich, entweder über eine Tiefenbohrung oder über Flächenkollektoren. In etwa zehn Metern Tiefe liegt die Temperatur ganzjährig bei rund zehn Grad. Diese Konstanz ist der Grund für die höhere Jahresarbeitszahl.
Erdwärme liegt im Feld um 0,9 höher
| Luft/Wasser | Erdreich | |
|---|---|---|
| Gemessene JAZ, Mittel | 3,4 | 4,3 |
| Gemessene Spanne | 2,6 bis 4,9 | 3,6 bis 5,4 |
| Anlagen im Feldtest | 61 | 16 |
| Marktanteil 2025 | 95 % | 5 % |
Der Abstand von 0,9 Punkten in der Jahresarbeitszahl bedeutet rund 21 Prozent weniger Strom für dieselbe Wärme. Für ein Haus mit 15.000 Kilowattstunden Wärmebedarf sind das etwa 920 Kilowattstunden im Jahr, bei 37 Cent je Kilowattstunde rund 340 Euro. Wie sich der Stromverbrauch für das eigene Haus überschlagen lässt, steht in einem eigenen Beitrag.
Zu beachten ist dabei die Überlappung der Spannen: Die beste gemessene Luftwärmepumpe lag mit 4,9 über dem Mittelwert der Erdwärmepumpen. Die Bauart legt den Korridor fest, die Ausführung entscheidet innerhalb davon.
Eingriff, Genehmigung, Investition
Vier Gründe, die zusammen die 95 zu 5 erklären:
Der Eingriff. Eine Tiefenbohrung braucht Bohrgerät und Zufahrt. Flächenkollektoren brauchen eine unbebaute, unversiegelte Fläche in der Größenordnung des Hauses. Auf einem typischen Reihenhausgrundstück ist beides schwierig.
Die Genehmigung. Bohrungen sind wasserrechtlich genehmigungspflichtig. Ob und unter welchen Auflagen genehmigt wird, entscheidet die untere Wasserbehörde, und in Wasserschutzgebieten ist es regelmäßig ausgeschlossen.
Die Investition. Bohrung oder Kollektorfeld kommen zu den Kosten der Wärmepumpe hinzu. Die Differenz hängt stark von Bohrtiefe und Untergrund ab, weshalb sie sich nicht seriös pauschalisieren lässt. Belastbar wird sie erst mit zwei Angeboten für dasselbe Grundstück.
Der Zeitpunkt. Eine Bohrung lässt sich nachträglich kaum ergänzen. Wer eine funktionierende Heizung im Januar ersetzen muss, entscheidet sich in der Praxis für die schneller verfügbare Variante.
Über die Bauart entscheidet bei mir fast immer das Grundstück und nicht die Jahresarbeitszahl. Und wenn doch gerechnet wird, dann meistens nur der Gerätepreis. Bei Erdwärme hängen drei Dinge zusammen: die Anlage, die Erschließung und der Betrieb über zwanzig Jahre. Was die Erschließung kostet, holt erst der Betrieb zurück, und ob er das schafft, hängt am Wärmebedarf des Hauses. Ich würde für dasselbe Grundstück deshalb zwei Angebote einholen. Und zwar vor dem Förderantrag, nicht danach.
Alexander MüllerArchitekt und Mitgründer von Enter, der neutralen Plattform für Wärmepumpe, Photovoltaik & EnergiemanagementDie Förderung unterscheidet nicht nach Bauart
Beide Bauarten werden nach demselben Schema gefördert: Grundförderung 30 Prozent, dazu Klimageschwindigkeitsbonus und Einkommensbonus, gedeckelt bei 80 Prozent und höchstens 28.000 Euro förderfähigen Kosten in der ersten Wohneinheit.
Weil die Erdwärmepumpe teurer ist, schöpft sie den Deckel eher aus. Die Einzelheiten stehen im Beitrag zur Heizungsförderung.
Luft bei kleinem Grundstück, Erdreich bei hohem Bedarf
Für die Luftwärmepumpe spricht, wenn das Grundstück klein oder versiegelt ist, die Entscheidung schnell fallen muss, das Budget die Bohrung nicht trägt oder eine Genehmigung unsicher ist.
Für die Erdwärmepumpe spricht, wenn ausreichend Fläche vorhanden ist, der Wärmebedarf hoch bleibt und deshalb jeder Effizienzpunkt stärker wirkt, die Anlage langfristig betrieben werden soll oder die Geräuschentwicklung einer Außeneinheit am Standort problematisch wäre.
Der letzte Punkt wird leicht übersehen: Eine Erdwärmepumpe hat keine Außeneinheit und damit kein Ventilatorgeräusch im Garten oder an der Grundstücksgrenze.
Häufige Fragen
Ist eine Erdwärmepumpe effizienter als eine Luftwärmepumpe? Im Mittel ja. Der Feldtest des Fraunhofer ISE ergab 4,3 gegenüber 3,4 Jahresarbeitszahl. Die Spannen überlappen sich allerdings.
Warum werden trotzdem fast nur Luftwärmepumpen verkauft? Weil Erdwärme Fläche, eine Genehmigung und eine höhere Anfangsinvestition verlangt. 2025 entfielen 95 Prozent des Absatzes auf Luft/Wasser-Geräte.
Wie viel Strom spart eine Erdwärmepumpe? Bei 15.000 Kilowattstunden Wärmebedarf rund 920 Kilowattstunden im Jahr gegenüber einer Luftwärmepumpe mit durchschnittlicher Jahresarbeitszahl.
Braucht eine Erdwärmepumpe eine Genehmigung? Ja. Erdsondenbohrungen sind wasserrechtlich genehmigungspflichtig, zuständig ist die untere Wasserbehörde.
Wie viel Fläche brauchen Flächenkollektoren? Grob die Größenordnung der beheizten Fläche, unversiegelt und nicht überbaut. Die genaue Auslegung hängt vom Boden ab.
Wird Erdwärme stärker gefördert? Nein, die Fördersätze sind für beide Bauarten gleich. Weil die Investition höher ist, wird der Förderdeckel von 28.000 Euro aber eher erreicht.
Ist eine Luftwärmepumpe im Altbau ausreichend? Die Feldmessung fand in Häusern der Baujahre 1826 bis 2001 statt und ergab für Luftwärmepumpen im Mittel 3,4. Entscheidend ist die erreichbare Vorlauftemperatur, nicht das Baujahr allein.



