Das Wichtigste auf den Punkt gebracht
- Die Heizsaison von Oktober bis April war in den 1880er Jahren im Mittel 2,8 Grad warm, in den 2020er Jahren 5,6 Grad.
- Der rechnerische Heizbedarf ist zwischen den ersten und den letzten dreißig Jahren um elf Prozent gesunken.
- Die kälteste Heizsaison seit Beginn der Messungen war 1963, die wärmste 2007.
- Für die Auslegung einer neuen Heizung zählt trotzdem der kalte Einzeltag, nicht das Mittel.
Über das Klima wird in Jahresmitteln geredet. Für ein Haus ist das die falsche Größe: Ein Gebäude interessiert sich nicht für den Juli. Deshalb hier die Auswertung, die sonst niemand macht, für die Monate, in denen die Heizung läuft.
Die Heizsaison von Oktober bis April war in den 1880er Jahren im Gebietsmittel für Deutschland 2,8 Grad warm. In den 2020er Jahren sind es 5,6 Grad. Die Grundlage sind die Monatsreihen des Deutschen Wetterdienstes, die bis 1881 zurückreichen.
Die Heizsaison Dekade für Dekade
Eine Heizsaison ist hier der Oktober des Vorjahres bis zum April des genannten Jahres. Die Saison 2026 begann also im Oktober 2025.
| Dekade | Mittel Oktober bis April |
|---|---|
| 1880er | 2,78 °C |
| 1890er | 2,85 °C |
| 1900er | 3,02 °C |
| 1910er | 3,70 °C |
| 1920er | 3,26 °C |
| 1930er | 3,66 °C |
| 1940er | 3,07 °C |
| 1950er | 3,46 °C |
| 1960er | 3,35 °C |
| 1970er | 3,51 °C |
| 1980er | 3,53 °C |
| 1990er | 4,18 °C |
| 2000er | 4,64 °C |
| 2010er | 4,75 °C |
| 2020er | 5,64 °C |
Quelle: eigene Auswertung der DWD-Gebietsmittel, Stand der Daten 2. September 2026. Die 1880er Jahre umfassen acht Saisons, die 2020er sieben, alle anderen zehn.
Bis in die 1980er Jahre bewegt sich die Reihe zwischen 2,78 und 3,70 Grad, ohne klare Richtung: Die 1910er Jahre liegen mit 3,70 Grad über den 1980ern mit 3,53. Der Sprung liegt danach. Ab den 1990er Jahren steigt jede Dekade über die vorige, und die 2020er Jahre liegen 2,1 Grad über den 1980ern.
Die kälteste Heizsaison der ganzen Reihe war 1963 mit 0,86 Grad im Mittel. Die wärmste war 2007 mit 7,14 Grad. Zwischen diesen beiden Saisons liegen 44 Jahre und 6,3 Grad.
Was das rechnerisch für den Heizbedarf heißt
Ein Temperaturmittel sagt noch nichts über Energie. Dafür gibt es die Gradtagzahl: Für jeden Tag unter der Heizgrenze wird die Differenz zwischen der Raumtemperatur von 20 Grad und der Außentemperatur gezählt und über die Saison summiert. Je höher die Zahl, desto mehr Wärme braucht dasselbe Gebäude.
| Zeitraum | Gradtagzahl im Mittel |
|---|---|
| 1882 bis 1911 | 3.608 Kd |
| 1961 bis 1990 | 3.488 Kd |
| 1996 bis 2025 | 3.223 Kd |
Zwischen den ersten und den letzten dreißig Jahren der Reihe liegen elf Prozent. Gegenüber der Klimanormalperiode 1961 bis 1990, auf die viele ältere Verbrauchskennwerte bezogen sind, sind es 7,6 Prozent.
Ein Haus, das vor vierzig Jahren 20.000 Kilowattstunden im Jahr gebraucht hat, braucht heute also rechnerisch rund 1.500 weniger, ohne dass daran ein einziges Bauteil verändert wurde.
Zur Einordnung der Methode: Die Gradtagzahl gehört sauber auf Tagesmittel. Der DWD veröffentlicht die regionalen Gebietsmittel aber nur als Monatswerte, die Rechnung läuft hier deshalb über Monatsmittel. In einem Monat, der um die Heizgrenze pendelt, unterschätzt das den Bedarf, weil kalte Tage mit milden verrechnet werden. Für den Vergleich zweier Dreißigjahresabschnitte trägt die Näherung, für die Heizlast eines einzelnen Hauses nicht. Die Monatsreihen des DWD sind frei abrufbar, die Rechnung lässt sich mit den oben genannten Parametern nachvollziehen: Heizgrenze 15 Grad, Raumtemperatur 20 Grad, Saison von Oktober bis April.
Mit dieser Zahl wird gern der falsche Schluss gezogen. Wärmer heißt weniger Jahresverbrauch, das stimmt. Für die Größe der Anlage ist es trotzdem fast egal, weil die Heizlast am kalten Einzeltag hängt und nicht am Mittel über sieben Monate. 2021 hatten wir in einigen Regionen noch minus 15 Grad, und genau danach wird ausgelegt. Was sich wirklich verändert hat, ist die Zahl der Stunden im Jahr, in denen ein Gerät überhaupt Vollgas geben muss. Die ist klein geworden, und das ist ein Argument für die Wärmepumpe, nicht gegen sie.
Justus MentenArchitekt und Geschäftsführer von Enter, der neutralen Plattform für Wärmepumpe, Photovoltaik & EnergiemanagementDie Norm rechnet mit dem kalten Tag, nicht mit dem Mittel
Für die Auslegung einer Heizung zählt die Normaußentemperatur, also der kalte Einzelfall am Standort. Die milderen Winter senken den Jahresverbrauch, sie senken die nötige Leistung am kältesten Tag kaum. Wer eine Anlage nach dem Klimamittel dimensioniert, baut sie zu klein, und der Heizstab gleicht das aus. Wie die Rechnung richtig läuft, steht in der Heizlastberechnung.
Umgekehrt gilt für den Betrieb: Je weniger Stunden im Jahr die Anlage an ihre Grenze geht, desto stärker fällt ins Gewicht, wie effizient sie im milden Bereich läuft. Dort entscheidet die Vorlauftemperatur.
Zwei Gründe, alten Verbrauchszahlen zu misstrauen
Kennwerte aus den Achtzigern beschreiben ein anderes Klima. Wer einen Verbrauchskennwert aus einer älteren Tabelle auf das eigene Haus legt, rechnet mit 7,6 Prozent zu viel Bedarf.
Ein einzelnes Jahr sagt wenig. Die Spanne zwischen 1963 und 2007 beträgt 6,3 Grad. Zwei aufeinanderfolgende Jahre können sich um mehr unterscheiden als zwei Dekaden. Wer den Stromverbrauch einer Wärmepumpe aus einem einzigen Winter hochrechnet, misst deshalb vor allem das Wetter.
Häufige Fragen
Wie viel wärmer ist die Heizsaison in Deutschland geworden? Das Mittel der Monate Oktober bis April ist von 2,78 Grad in den 1880er Jahren auf 5,64 Grad in den 2020er Jahren gestiegen. Das sind 2,9 Grad.
Welche Heizsaison war die kälteste? Die Saison 1963, also Oktober 1962 bis April 1963, mit 0,86 Grad im Gebietsmittel für Deutschland.
Welche Heizsaison war die wärmste? Die Saison 2007 mit 7,14 Grad, also Oktober 2006 bis April 2007.
Was ist die Gradtagzahl? Die Summe der Temperaturdifferenzen zwischen einer Raumtemperatur von 20 Grad und der Außentemperatur, gezählt über alle Tage unter der Heizgrenze von 15 Grad. Sie ist ein Maß dafür, wie viel Wärme ein Gebäude in einer Saison braucht.
Wie stark ist der Heizbedarf rechnerisch gesunken? Von 3.608 Kelvintagen im Mittel der Jahre 1882 bis 1911 auf 3.223 im Mittel der Jahre 1996 bis 2025. Das ist ein Rückgang um elf Prozent.
Darf ich meine Heizung deshalb kleiner auslegen? Nein. Die Auslegung folgt der Normaußentemperatur am Standort, also dem kalten Einzeltag. Der ist milder geworden, aber viel weniger als das Saisonmittel.
Woher stammen die Daten? Vom Deutschen Wetterdienst, aus den Gebietsmitteln der Lufttemperatur im Climate Data Center. Die Reihen beginnen 1881 und werden monatlich fortgeschrieben.



